Ruhrlandschule

Erziehung

Alle Schulen in NRW, also auch die Schulen für Kranke, haben grundsätzlich einen Bildungs- und Erziehungsauftrag (vgl. Schulgesetz, hier § 2). Gerade in der Ausnahmesituation der vorübergehenden oder dauerhaften Erkrankung bestimmen besondere Förderung und individuelle Hilfe unser erzieherisches Handeln. Nur so kann die (Re-)Integration unserer Schüler in Heimatschule oder der Übergang in eine neue Bildungseinrichtung gelingen.

Persönlichkeitsbildung

Die Ausnahmesituation der Krankheit erfordert zunächst oft die Stärkung der Persönlichkeit, damit unsere Schüler ihre eigenen Ressourcen (wieder) entdecken, entfalten und für schulisches Lernen nutzen können. Unser Ziel ist es, dem kranken Schüler auf der Grundlage unserer schulischen Angebote einen Perspektivwechsel/ neuen Blickwinkel zu ermöglichen. Die „Anfechtungen“, die sich durch eine längerfristige oder chronische Krankheit ergeben (körperliche und seelische Veränderungen, soziale Isolation, eingeschränktes Leistungsvermögen, Frustration), öffnen auch Möglichkeiten, sich selbst und seine Persönlichkeit weiter zu bilden, in einem neuen Licht zu sehen. Damit dies gelingen kann, steht im Mittelpunkt unseres pädagogischen Handelns der wertschätzende, achtsame Umgang miteinander, der gegenseitige Toleranz und die Akzeptanz unterschiedlicher Haltungen ermöglicht (vgl. auch Persönliche Ortientierung).

Förderung des Lern- und Arbeitsverhaltens

Um unsere erkrankten Schüler in diesem Bereich effektiv fördern zu können, bedarf es einer Lern-, Arbeits- und Leistungsbereitschaft, die manchmal im Verlauf der Erkrankung oder durch sie verloren geht bzw. vorübergehend aus dem Blick gerät. Daher sind gemeinsame Zielabsprachen, die Anbindung schulischer Themen an die eigene Lebenswelt hilfreich, um (wieder) Lernfreude herzzustellen und schulische Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.

Unser Ziel ist es, die Selbstständigkeit und das eigenverantwortliche Handeln unserer Schüler zu fördern sowie eigene Lernprozesse zu reflektieren und zu steuern. Auch hier helfen individuelle Zielvereinbarungen sowie regelmäßige Lehrer-Schüler-Gespräche, die dazu dienen, Lernprozesse bewusst zu machen. Trotz der sehr unterschiedlichen Voraussetzungen ist jeder Schüler auch Teil einer kleinen Gruppe, in der die Teamfähigkeit gefördert und möglichst jeder in die Gruppe integriert wird. Dies geschieht auf der Basis gemeinsam besprochener Gruppenregeln, die es konsequent einzuüben gilt, und der Organisation von Arbeitsphasen in Partner- und Gruppenarbeit (vgl. auch Unterricht  Förderung der Lern- und Leistungsmotivation).

Soziale Kompetenz

Um das eigenverantwortliche Handeln unserer Schüler zu stärken, sie aber auch zu ermutigen, Verantwortung in der Gruppe zu übernehmen, bedarf es der Förderung sozialer Kompetenzen. So möchten wir sie befähigen, ihr eigenes schulisches Handeln (kritisch) zu reflektieren. Wir wollen ihre Bereitschaft fördern, sich auf eine Gruppe einzulassen, deren Regeln zu akzeptieren und sich selbst als gleichwertiges, gleichberechtigtes Mitglied dieser Gruppe zu erleben. Sie sollen ermutigt werden, (neue) soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Dies ist umso wichtiger als längere Krankheitsphasen oft zum Verlust oder zur starken Einschränkung sozialer Kontakte führen. Ein weiteres Handlungsfeld ist der Umgang mit Konflikten. Diese angemessen anzunehmen, mitzuteilen und zu bewältigen, bedarf z.B. der Erfahrung, dass auch schwierige Kommunikation gewaltfrei gelingen kann, wenn wir wertschätzend und achtsam miteinander umgehen. So lassen sich auch persönliche Grenzen annehmen und die Grenzen anderer akzeptieren.

Emotionale Kompetenzen

Sich selbst zu mögen und wertzuschätzen, fällt insbesondere dann schwer, wenn man körperlich und/ oder seelisch krank ist, sich als „anders“, (leistungs)schwach und bedürftig erlebt. Deshalb steht emotional die Förderung des Selbstwertgefühls und –bewusstseins im Mittelpunkt unseres pädagogischen Arbeitens. Empathie und Wertschätzung von Lehrern und Mitschülern zu erfahren, hilft dem einzelnen sich emotional einzulassen, zu öffnen und mitzuteilen, Selbstvertrauen zu entwickeln, z.B. in Hinblick auf die eigenen Ressourcen oder die Auseinandersetzung mit schulischen Themen und Inhalten.

Für all dies braucht es einen sicheren sozialen Rahmen mit verlässlichen Regeln, der die Schüler ermutigt, ihre eigene Befindlichkeit und Bedürfnislage mitzuteilen, sodass sie sich - trotz krankheitsbedingter Einschränkungen - als selbstwirksam erleben.